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das evangelische Gemeinschaftswerk

In diesem Bereich finden sie Informationen über das Evangelische Gemeinschaftswerk und den Bezirk Thun.

Die Geschichte des Evangelischen Gemeinschaftswerks ist lang. 1831 wurde es als Evangelische Gesellschaft des Kantons Bern gegründet.

 


ochsenscheuer

Die Ochsenscheuer in der unteren Altstadt von Bern war der Wohnort des blinden Eisi. Sie gilt als Gründungsort der Evangelischen Gesellschaft des Kantons Bern.

Das Evangelische Gemeinschaftswerk (EGW) ist ein eigenständiges Werk (Verein) innerhalb der Reformierten Landeskirche: eine Vereinigung von Christen, die je ihren persönlichen Beitrag leisten wollen, um Jesus Christus den Menschen unserer Zeit nahe zu bringen. Die Gründung des EGW geht auf das Jahr 1996 zurück, als die Evangelische Gesellschaft des Kantons Bern und der Verband Landeskirchlicher Gemeinschaften sich zum EGW zusammenschlossen. Die Geschichte dieser beiden Werke ist lang.

Gründung
Die Gründung der Evangelischen Gesellschaft fällt in das Jahr 1831. Sie war eine Reaktion auf den aufkommenden Liberalismus, der auch im Kanton Bern um sich griff (Liberalismus = Leugnung von Kreuz, Auferstehung und Wiederkunft Christi). Ungefähr 50 Brüder waren damals beim "blinden Eisi" zusammengekommen (siehe ww Nummer 9/September 1999 oder "Auf dein Wort" Seite 58) darunter Patrizier, Pfarrer, Theologiestudenten und Männer vom Land. Erklärtes Ziel war innerhalb der "geliebten Berner Kirche" zu bleiben. Als dieser wegweisende Entschluss auf den Knien betend gefasst wurde, da seien die Tränen reichlich geflossen. Erster Präsident wurde der Patrizier Kurt Stettler-von Rodt, der das junge Werk während ungefähr 40 Jahren umsichtig leitete.

 

Entwicklung
Es wurden sogenannte Hilfsvereine ins Leben gerufen, denen meistens ein Pfarrer vorstand. Bald einmal gab es zwanzig an der Zahl, die sich von Bern aus über das Aaretal, das Emmental, den Oberaargau und sogar das Oberland verstreuten. Dabei wurden Bibel-, Gebets- und Missionsstunden gehalten. Man versuchte Gläubige zu sammeln und im Glauben zu vertiefen. Dies alles ganz bewusst innerhalb der geliebten Berner Kirche. Dazu wurden auch Reiseprediger angestellt, mit wechselndem Erfolg. Aber auch in der Diakonie und im Schulwesen war man tätig.
So wurden an verschiedenen Orten Kranke gepflegt und um 1888 das Salem-Spital gegründet.

neuemaedchenschule
EGW
Neue Mädchenschule, heute neue Mittelschule, von der EGB mitgegründet
Etwas früher wurde das bekannte Lehrerseminar Muristalden ins Leben gerufen und wenig später kamen die Neue Mädchenschule und das Freie Gymnasium dazu.

 

Blütezeit
Nach verschiedenen internen Krisen und Auseinandersetzungen mit dem Staat - wegen liberalen Lehrern und Professoren - erlebte die Evangelische Gesellschaft seit anfangs der 80er-Jahre des neunzehnten Jahrhunderts eine richtige Blütezeit.

 

Der Basler Missionar Elias Schrenk wurde vom Komitee nach Bern gerufen, von wo aus er von 1879 - 1886 das Bernerland "bearbeitete". Er wird wohl mit Recht als "der Bahnbrecher der

Elias.Schrenk

Berühmter Evangelist, der das Emmental erschütterte.
Evangelisation" bezeichnet. Nirgends hat in der Schweiz vorher und nachher eine pietistische Erweckung von einer solchen Breitenwirkung stattgefunden. Bald platzte das Werk aus allen Nähten. Überall wurden Vereinshäuser gebaut, Säle bereitgestellt und Evangelisten angestellt. Über eine gewisse Zeit sei der Berner Kirche regelrecht angst davor geworden, was daraus noch werden sollte (Apostelgeschichte 5,24 f; Luther).

 

Krisenzeiten
Begreiflicherweise war bei diesem raschen Wachstum ein gewisser "Wildwuchs" nicht auszuschliessen. Einige von an sich begabten Laienpredigern brachten, gelinde gesagt, "Unruhe" in das noch ungefestigte Werk. Erschwerend kam das Auftreten der Pfingstbewegung ab 1904 hinzu. So kam es 1908 zur Abspaltung und Gründung der Landeskirchlichen Gemeinschaft des Kantons und wenig später zur Entstehung des Evangelischen Brüdervereins. Meistens wird leider übersehen, dass zwischen den beiden neuen Werken eine zehnjährige recht intensive Arbeitsgemeinschaft bestand (1908-1918). Hier wurde stark und zum Teil überrissen das "Gerecht- und Heiligsein im Glauben" betont. Während die "ältere Schwester", die Evangelische Gesellschaft, die bleibende Sündhaftigkeit des Menschen hervorhob.

 

Dabei hatte man leider vergessen, auf Martin Luther zu hören. Der berühmte Reformator hat namentlich in einer seiner "Wichtigsten Thesen" folgendes festgehalten: "simul justus et peccator" - gleichzeitig Sünder und Gerechter sei der Christ, und zwar Sünder in Wirklichkeit, Gerechter in der Hoffnung des Glaubens.

 

Gottlob gehören die Streitereien darüber im Bernerland der Vergangenheit an. Vom Tisch ist das Problem aber nicht. Es kam ganz neu zur Sprache in der heutigen Zeit, interessanterweise zwischen Katholiken und Lutheranern im Zusammenhang mit der Einigung in der Rechtfertigungsfrage.


Wiedervereinigung und Ausblick
In einer eindrücklichen Feier im Berner Münster haben sich die Evangelische Gesellschaft und der Verband Landeskirchlicher Gemeinschaften im Januar 1996 wieder zusammengeschlossen. Das Fest erregte weithin Aufsehen. Jahrzehntelange Bemühungen waren vorausgegangen.


naegeligasse9
EGW
Liegenschaft Nägeligasse 9, jahrezehntelange der Hauptsitz des EGW